Wie wird die UN-Kinderrechtskonvention im kanadischen Einwanderungsrecht angewendet?
Eingang
Die UN-Kinderrechtskonvention (KRK) wurde 1989 von den Vereinten Nationen verabschiedet und 1991 von Kanada ratifiziert. Dieses internationale Dokument garantiert Kindern grundlegende Rechte, darunter das Recht auf Schutz, Entwicklung, Teilhabe und Leben. Auch die kanadische Einwanderungspolitik orientiert sich an den Bestimmungen der KRK; insbesondere für Asylsuchende, unbegleitete Minderjährige und von Abschiebung bedrohte Kinder wurden rechtliche und administrative Schutzmechanismen eingerichtet.
1. Rechtsstatus des Übereinkommens über die Rechte des Kindes in Kanada
In Kanada werden internationale Übereinkommen durch den Bundesgesetzgebungsprozess in nationales Recht umgesetzt. Die kanadischen Menschenrechte (CRC) finden in diesem Rahmen keine direkte Anwendung; jedoch interpretieren und wenden der Oberste Gerichtshof Kanadas und die Bundesbehörden für Einwanderung die CRC im Kontext der Verfassung an.
Wichtige rechtliche Grundsätze:
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Grundsatz des Kindeswohls: Bei Einwanderungs- und Asylverfahren muss das Kindeswohl vorrangig berücksichtigt werden.
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Nichtdiskriminierung: Kinder von Einwanderern, Flüchtlingen oder Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus haben die gleichen Rechte wie kanadische Kinder.
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Recht auf Beteiligung: Kinder haben das Recht, ihre Meinung in Angelegenheiten, die ihr eigenes Schicksal betreffen, in einer ihrem Alter und Reifegrad angemessenen Weise zu äußern.
2. Schutzmechanismen für Kinder im Einwanderungsrecht
Das kanadische Einwanderungs- und Flüchtlingsschutzgesetz (IRPA) enthält spezifische Bestimmungen für Kinder.
a. Unbegleitete Kinder
Kinder, die unbegleitet nach Kanada einreisen, werden als „unbegleitete Minderjährige“ eingestuft. In diesem Fall:
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Ein Kinderschutzbeauftragter wird eingesetzt.
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Unterkunft, psychologische Betreuung und grundlegende Gesundheitsversorgung werden bereitgestellt.
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Rechtsberatung wird kostenlos angeboten.
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Im Falle eines Asylantrags kommt der Grundsatz der Auslegung zugunsten des Kindes zum Tragen.
b. Schutz vor dem Risiko der Trennung von der Familie
Im Rahmen von Einwanderungsverfahren können Abschiebungs- oder Inhaftierungsanordnungen Kinder von ihren Familien trennen. Jedoch:
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Die Wahrung des familiären Zusammenhalts ist für das Wohl des Kindes unerlässlich.
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Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts von Kanada können Abschiebungsverfahren ausgesetzt werden, wenn die Gefahr eines emotionalen und psychischen Schadens für die Kinder besteht (siehe: Kanthasamy v. Canada (2015 SCC 61)).
3. Kanadische Einwanderungsgerichte und Kinderrechte
a. Einwanderungs- und Flüchtlingsbehörde (IRB)
Das IRB zeigt besondere Sensibilität gegenüber Asylanträgen, die Kinder betreffen:
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Die Befragung erfolgt mit Methoden, die dem psychischen Zustand des Kindes angemessen sind.
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Es wird eine kinderfreundliche Gerichtsumgebung geschaffen.
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Wenn Entscheidungen schriftlich festgehalten werden, ist der Grundsatz, sie zugunsten des Kindes auszulegen, eindeutig gerechtfertigt.
b. Zuweisung von Repräsentation an Kinder
Für unbegleitete Kinder wird ein „Designierter Vertreter“ ernannt. Diese Person ist in der Regel ein Sozialarbeiter oder ein ausgebildeter Rechtsberater und ist für den Schutz des Kindeswohls verantwortlich.
4. Das Recht auf Bildung, Gesundheit und Wohnen
Kanada bietet allen Kindern unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus folgende Leistungen an:
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Recht auf Schulpflicht: Kinder von Einwanderern oder Flüchtlingen haben das Recht auf kostenlosen Zugang zum staatlichen Bildungssystem.
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Grundlegende Gesundheitsversorgung: Auch unbegleiteten oder vorübergehend anwesenden Kindern werden Notfall- und Präventionsleistungen im Gesundheitswesen angeboten.
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Recht auf Wohnraum: Child Welfare Services Canada stellt sicher, dass Kinder von Einwanderern Zugang zu sicherem Wohnraum haben.
5. Schutz der Rechte von Kindern im Falle einer Abschiebung
a. Abschiebung und CRC
Abschiebungsverfahren können gegen die UN-Kinderrechtskonvention verstoßen, da sie die körperliche und seelische Gesundheit von Kindern gefährden können. In diesem Fall:
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Das Bundesgericht von Kanada kann den Abschiebungsprozess vorübergehend stoppen.
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Die Lebensbedingungen und die Sicherheitslage im Herkunftsland des Kindes werden analysiert.
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Anträge können aus humanitären und mitfühlenden Gründen für Kinder mit einer Traumavorgeschichte gestellt werden.
6. Besondere Verwaltungsverfahren für Kinder in Einwanderungsanträgen
a. Kindermigration durch Familiensponsoring
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Ein Elternteil, der kanadischer Staatsbürger oder ständiger Einwohner ist, kann einen Antrag auf Sponsoring stellen, um sein Kind aus dem Ausland nach Kanada zu bringen.
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Das Alter des Kindes, der Familienstand und die elterliche Beteiligung werden erfasst.
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Ziel ist es, den Prozess im Einklang mit den Rechten der Kinder zu beschleunigen.
b. Familienzusammenführung und Neuansiedlung
In Zusammenarbeit mit dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) werden Umsiedlungsprogramme für die Kinder von Flüchtlingsinhabern durchgeführt, die im Ausland bleiben.
7. Kritikpunkte und Reformforderungen hinsichtlich der Umsetzung der Kinderrechte
Kanadische Nichtregierungsorganisationen und einige Akademiker:
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Das Wohl der Kinder aus inhaftierten Migrantenfamilien wird nicht ausreichend berücksichtigt
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Individuelle Asylverfahren können manchmal lange dauern
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In einigen Bundesstaaten stoßen unbegleitete Kinder beim Zugang zu Bildung auf bürokratische Hürden
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, dass es Unterschiede bei der Anwendung der Kinderrechte auf Bundes- und Landesebene gibt
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Deshalb werden Vorschläge für eine Gesetzesreform unterbreitet, um ein einheitlicheres, zentralisiertes und kinderfreundlicheres Einwanderungssystem zu schaffen.
Schlussfolgerung und Bewertung
Kanada gilt als relativ erfolgreiches Land bei der Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention. Seine Schutzmechanismen für Kinder von Einwanderern, sein humaner Ansatz und seine Bemühungen um den Erhalt der Familieneinheit sind lobenswert. Allerdings erfordern Probleme wie gewisse Ungleichheiten bei der Umsetzung und den Überwachungspraktiken eine kontinuierliche Beobachtung und Reform, um die vollständige Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention zu gewährleisten.
Die Rechte von Kindern im Kontext der Einwanderung betreffen nicht nur den Schutz des Einzelnen, sondern auch das Gewissen und die Zukunft der Gesellschaft. Daher ist es unerlässlich, dass Kanada sein Bekenntnis zur UN-Kinderrechtskonvention aufrechterhält und weiterhin rechtliche Verbesserungen vornimmt, um Umsetzungslücken zu schließen.
Gamze Akbulut, Studentin der Rechtsfakultät
