Antrag auf Fristverlängerung

In unserem derzeitigen Rechtssystem spiegeln die Rechtspraktiken die Theorie nicht immer im gleichen Maße wider, und auch in dieser Hinsicht ergeben sich gewisse Unterschiede. In unserer Praxis verkünden die Gerichte erster Instanz zunächst das Ergebnis des Falles und informieren die Parteien erst später über die ausführliche Begründung ihrer Entscheidung.
Wir haben bereits die allgemeinen Fristen für die Verkündung von Entscheidungen in Berufungsverfahren vor höheren Gerichten erwähnt. Wird den Parteien das Urteil der ersten Instanz nicht unverzüglich mitgeteilt und können sie daher nicht sofort darauf zugreifen und Berufungsgründe finden, weisen die Landgerichte als Berufungsgerichte die Berufung mit der Begründung zurück, die Parteien hätten keinen fristgerechten Berufungsantrag gestellt und ihre Berufung nicht fristgerecht eingelegt. Diese Situation kann leider zu schwerwiegenden Ungerechtigkeiten führen.
Diese Situation führte zu einer individuellen Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof wegen „Beeinträchtigung des Rechts auf Zugang zum Gericht infolge der Ablehnung des Antrags auf Fristverlängerung wegen Fristablaufs“. In seinem Urteil vom 14. September 2022, Az. 2019/12803, veröffentlicht im Amtsblatt am 25. Oktober 2022, stellte der Verfassungsgerichtshof fest, dass bei der Auslegung von Fristbestimmungen ein Ausgleich zwischen Rechtssicherheit und dem Recht auf Zugang zum Gericht gewahrt werden müsse, und verwies auf den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Er betonte, dass ein Urteil, das nicht die in Artikel 297 der Zivilprozessordnung genannten Elemente enthalte, nicht als wirksam verkündet gelte, und fügte hinzu, dass die Frist für die Einlegung eines Rechtsmittels erst mit der Zustellung des begründeten Urteils an die Parteien beginne. Folglich stellte der Beschluss fest, dass der Fristbeginn mit der Verkündung des summarischen Urteils ohne Kenntnis des begründeten Urteils eine erhebliche Schwierigkeit für die Parteien dar.
Das Verfassungsgericht hat unter Berücksichtigung der von uns genannten Gründe und in dem Hinweis, dass das Recht auf Zugang zum Gericht unverhältnismäßig eingeschränkt wurde, entschieden, dass das Recht der Beschwerdeführer auf Zugang zum Gericht im Rahmen des Rechts auf ein faires Verfahren gemäß Artikel 36 unserer Verfassung verletzt wurde.
Wir werden sehen, inwieweit diese Entscheidung eine langjährige Praxis verändern wird.
MUSTER-ANTRAGSFORMULAR
AN DIE ZUSTÄNDIGE STRAFABTEILUNG DES REGIONALEN BERUFUNGSGERICHTS VON BURSA
Zum Versenden
AN DAS PRIMÄRE STRAFGERICHT ÇANAKKALE ( )
DATEI: 20../….
Angeklagter: Name Nachname / TR-ID-Nummer / Adresse
Rechtsanwalt: Name Nachname/ Adresse / Telefon
BETREFF: Antrag auf Fristverlängerung für die Einlegung einer Berufung
ERLÄUTERUNG
Wir sind der Ansicht, dass die im vor Ihrem Gericht im genannten Fall ergangene Verurteilung unseres Mandanten in der letzten Verhandlung nicht ausreichend geprüft wurde und daher gegen Verfahrens- und Rechtsgrundsätze verstößt. Aus diesem Grund legen wir Berufung gegen die Entscheidung ein.
Wir bitten darum, unserem Antrag auf Fristverlängerung stattzugeben, damit wir Ihnen nach Zustellung des begründeten Urteils eine detaillierte Begründung für unsere Berufung zukommen lassen können.
SCHLUSSFOLGERUNG UND ANFRAGE
Aus den oben genannten Gründen teilen wir Ihnen hiermit mit, dass wir gegen die gegen unseren Mandanten ergangene Entscheidung Berufung einlegen werden. Um unsere Berufungsfrist zu wahren, bitten wir höflichst darum, diesem Antrag auf Fristverlängerung stattzugeben und die gegen unseren Mandanten ergangene negative Entscheidung aufzuheben.
Verteidiger
Rechtsanwalt … …
(ERSTELLT VON: Student Segâh GÜLPEKMEZ)