Können KI-generierte Beweise in Strafverfahren verwendet werden? Die Rolle von KI-Beweisen im türkischen Strafrechtssystem
Können KI-generierte Beweise in Strafverfahren verwendet werden? Die Rolle von KI-Beweisen im türkischen Strafrechtssystem
Eingang
Mit dem Fortschritt künstlicher Intelligenztechnologien ist es möglich geworden, schnell Sprachaufnahmen, Videos, Fotos, Screenshots von Nachrichten und Dokumente zu erstellen, die den Anschein erwecken, von einer realen Person zu stammen. Diese realistischen Bilder und Töne, sogenannte „Deepfakes“, können den Eindruck erwecken, als hätte eine Person Dinge gesagt, die sie nie gesagt hat, oder wäre an einem Ort gewesen, an dem sie nie war.
Diese Entwicklungen werfen eine wichtige Frage im Strafrecht auf: Können Audioaufnahmen, Videos, Fotos oder Korrespondenzen, die von künstlicher Intelligenz erzeugt wurden, als Beweismittel in einem Strafverfahren verwendet werden?
Im türkischen Strafprozessrecht beschränkt sich die Antwort auf diese Frage nicht darauf, ob das Dokument oder die Akte zur Akte zugelassen werden kann. Die eigentliche Frage ist vielmehr:
- Ob der Inhalt wahr ist oder nicht,
- Auf welchem Gerät es erstellt wurde und wie,
- Ob es später geändert wurde oder nicht,
- Ob es legal erworben wurde oder nicht,
- Ob die Quelle verifiziert werden kann oder nicht,
- Es kann vom Angeklagten und seinem Anwalt geprüft und besprochen werden
- Ob dies durch andere Beweise gestützt wird
Es konzentriert sich auf diese Themen.
Bei der Bewertung von KI-generierten Inhalten muss zwischen „Zulässigkeit von Beweismitteln“ und „Beweis der Beweiskraft“ unterschieden werden. Selbst wenn Inhalte in einer Akte enthalten sind, beweist dies nicht automatisch deren Richtigkeit oder Eignung als Grundlage für eine Verurteilung.
Was bedeutet KI-generierte Evidenz?
Der Begriff „KI-generierte Beweise“ kann verschiedene Arten von Inhalten umfassen. Daher ist es notwendig, zunächst zwischen drei separaten Kategorien zu unterscheiden.
1. Inhalte, die vollständig künstlich erzeugt wurden
Zu dieser Gruppe;
- Tonaufnahmen, die durch Nachahmung der Stimme einer Person erstellt wurden,
- Videos, in denen das Gesicht einer Person auf ein anderes Bild montiert wird,
- Screenshots von Nachrichten, die eine Konversation zeigen, die nie stattgefunden hat,
- KI-generierte Signatur- oder Dokumentenbilder,
- Fotos, die nie aufgenommen wurden,
- Gefälschte Bilder, die eine Person an einem bestimmten Ort zeigen
Es tritt ein.
Solche Inhalte können nicht als verlässlicher Beweis für einen angeblichen Vorfall anerkannt werden. Sofern die Echtheit der Inhalte nicht technisch verifiziert werden kann, sollte eine Verurteilung nicht allein auf deren Erscheinungsbild beruhen.
2. Verarbeitung realer Beweismittel mit künstlicher Intelligenz
In einigen Fällen wird künstliche Intelligenz nicht dazu verwendet, einen bestehenden Ton oder ein bestehendes Bild zu erzeugen, sondern um ihn/es zu analysieren oder zu verbessern. Zum Beispiel:
- Vergrößerung des Kamerabildes
- Reduzierung von Hintergrundgeräuschen bei der Audioaufnahme,
- Eine lange Rede schriftlich festhalten,
- Klassifizierung von Personen oder Fahrzeugen im Bild,
- Durchführung von Ähnlichkeitsanalysen im Gesicht oder in der Stimme,
- Verbindungen zwischen digitalen Daten herstellen
Künstliche Intelligenz kann zu diesem Zweck eingesetzt werden.
Das von der künstlichen Intelligenz generierte Ergebnis ersetzt hier nicht die Originalbeweise. Die Originalbeweise sind die Original-Audioaufnahme, das Bildmaterial, das Gerät oder die digitalen Daten. Die KI-Ausgabe ist eine sekundäre oder abgeleitete Analyse, die die Untersuchung dieser Beweise unterstützt.
Insbesondere bei Bildvergrößerungs- und Schärfungsvorgängen mit generativer künstlicher Intelligenz muss berücksichtigt werden, dass das System durch Schätzung Details erzeugen kann, die in der Originalaufnahme nicht vorhanden sind. Daher genügt es nicht, dem Gericht lediglich das „verbesserte Bild“ vorzulegen. Die Originalaufnahme muss ebenfalls der Akte beigefügt und die durchgeführten Bearbeitungsschritte erläutert werden.
3. Analysen und Berichte, die von künstlicher Intelligenz generiert werden
Antworten, die durch Hochladen von Falldokumenten in ein System künstlicher Intelligenz und durch Fragen wie „Ist der Angeklagte schuldig?“, „Wessen Stimme ist das?“ oder „Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Person auf dem Bild zu sehen ist?“ gewonnen werden, können für sich genommen nicht als Expertenbericht gelten.
Die Regelungen der Strafprozessordnung bezüglich Sachverständigengutachten sehen vor, dass Sachverständigengutachten in Angelegenheiten, die spezielles oder technisches Wissen erfordern, einzuholen sind. Die Identität des Sachverständigen, seine Fachkenntnisse, die angewandten Methoden, die Untersuchungsmaterialien und die erzielten Schlussfolgerungen müssen nachvollziehbar sein. Eine unerklärte oder nicht nachvollziehbare Antwort eines KI-Systems kann ein ordnungsgemäß erstelltes Sachverständigengutachten nicht ersetzen.
Es ist dem Experten jedoch möglich, künstliche Intelligenz als technisches Hilfsmittel einzusetzen. In diesem Fall müssen jedoch das System, die Methoden und die verwendeten Daten offengelegt werden; der Experte muss die Ergebnisse mit seiner eigenen fachlichen Beurteilung überprüfen und die Verantwortung für den von ihm erstellten Bericht übernehmen.
Grundvoraussetzungen für Beweismittel im türkischen Strafprozessrecht
Das türkische Strafprozessrecht basiert grundsätzlich auf dem Prinzip der Beweisfreiheit. Diese Freiheit ist jedoch nicht unbegrenzt.
Gemäß Artikel 38 Absatz 6 der Verfassung sind rechtswidrig erlangte Feststellungen unzulässig. Artikel 206 der Strafprozessordnung sieht die Zurückweisung rechtswidrig erlangter Beweismittel vor, und Artikel 217 der Strafprozessordnung bestimmt, dass die mutmaßliche Straftat nur mit rechtmäßig erlangten Beweismitteln nachgewiesen werden kann. Der Richter darf seine Entscheidung ausschließlich auf die in der Verhandlung vorgelegten und im Beisein der Parteien erörterten Beweismittel stützen.
Diese Bestimmungen haben folgende Auswirkungen auf Beweismittel im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz:
- Die Methode, mit der die Inhalte erlangt werden, muss rechtmäßig sein.
- Die Quelle der Beweise muss identifizierbar sein.
- Es muss überprüft werden, ob der Inhalt verändert oder gefälscht wurde.
- Der Angeklagte und sein Anwalt müssen die Möglichkeit haben, die Beweismittel einzusehen.
- Einwände hinsichtlich der technischen Zuverlässigkeit der Beweismittel sollten untersucht werden.
- Die Beweismittel müssen vor Gericht erörtert werden.
- Das Gericht muss in seiner Urteilsbegründung erläutern, warum es den Beweisen Glauben geschenkt hat.
Die Tatsache, dass eine Aufnahme legal erlangt wurde, bedeutet nicht zwangsläufig ihre Echtheit. Umgekehrt kann eine authentische Aufnahme auch auf illegalem Wege erlangt worden sein. Daher sollten Legalität, Echtheit und Zuverlässigkeit jeweils gesondert geprüft werden.
Können KI-generierte Inhalte als Beweismittel in Strafverfahren verwendet werden?
Diese Frage kann nicht mit einem einfachen „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden.
Wenn es als Beweis für ein reales Ereignis vorgelegt wird
Wenn eine vollständig von künstlicher Intelligenz erzeugte Audio-, Bild- oder Nachrichtendatei zum Beweis eines realen Ereignisses verwendet wird, muss die Authentizität des Inhalts eingehend untersucht werden.
Wenn beispielsweise eine Audioaufnahme, die angeblich einen Angeklagten bei der Forderung nach einem Bestechungsgeld zeigt, mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt wurde, beweist diese Aufnahme nicht, dass der Angeklagte diese Aussagen tatsächlich getätigt hat. Die Authentizität der Stimme hängt von … ab
- Originales Aufnahmegerät,
- Das Erstellungsdatum der Datei,
- Metadateninformationen,
- Aufnahmeformat,
- Der Hashwert der Datei,
- Protokollverlauf des Geräts,
- Audiovergleichstest
- Kommunikations- und Standortdatensätze,
- Zeugenaussagen,
- Weitere physische Beweismittel im Zusammenhang mit dem Vorfall
Das muss weiter untersucht werden.
Inhalte, die lediglich als Screenshot oder kopierte Datei präsentiert werden und deren Quelle nicht erklärt werden kann, sollten nicht als alleiniger und abschließender Beweis für eine Verurteilung herangezogen werden.
Wenn der künstliche Inhalt Gegenstand einer anderen Straftat ist
Auch wenn KI-generierte Inhalte nicht als direkter Beweis für das dargestellte Ereignis dienen, können sie als direkter Beweis für ein anderes Verbrechen gelten.
Wird beispielsweise ein gefälschtes, obszönes Bild, das mit dem Gesicht einer Person erstellt wurde, zu Erpressungszwecken verschickt, beweist das Bild nicht, dass das Opfer die Tat tatsächlich begangen hat. Jedoch kann das gefälschte Bild …
- Erpressung,
- Bedrohlich,
- Betrug,
- Verletzung der Privatsphäre,
- Unrechtmäßige Weitergabe personenbezogener Daten,
- Beleidigung
Es könnte sich um wesentliche Beweismittel im Zusammenhang mit ihren Straftaten handeln.
Hierbei kommt es nicht darauf an, ob die gefälschten Inhalte „echt oder nicht“ sind, sondern darauf, wer sie erstellt hat, zu welchem Zweck und wie sie verwendet werden.
Kann eine Verurteilung allein auf den Ergebnissen künstlicher Intelligenz beruhen?
Im Strafverfahren setzt eine Verurteilung voraus, dass die Schuld des Angeklagten zweifelsfrei durch schlüssige und überzeugende Beweise nachgewiesen wird. Urteile des Obersten Gerichtshofs bestätigen zudem, dass zweifelhafte, unbestätigte oder spekulative Daten für eine Verurteilung nicht ausreichen.
Weil;
- Kriminalitätsanalyse durch künstliche Intelligenz
- Ergebnis des automatischen Gesichtsabgleichs
- Das von künstlicher Intelligenz generierte Ähnlichkeitsverhältnis der Stimme,
- Die Interpretation einer Datei durch ein Sprachmodell,
- KI-generierte Ereigniszusammenfassung
Dies allein sollte nicht als ausreichender Grund für eine Verurteilung angesehen werden.
Diese Erkenntnisse können zur Steuerung der Ermittlungen oder zur Gewinnung neuer Beweise herangezogen werden. Ihre Schlussfolgerungen müssen jedoch durch eine unabhängige technische Überprüfung bestätigt und durch weitere Beweise untermauert werden.
Wenn beispielsweise ein Gesichtserkennungssystem nahelegt, dass es sich bei einer Person auf einem Kamerabild um dieselbe Person handelt, sollte diese Schlussfolgerung nur in Verbindung mit dem ursprünglichen Kameramaterial, der Bildqualität, den charakteristischen Merkmalen der Person, anderen Beweismitteln vom Tatort und der Untersuchung durch Sachverständige betrachtet werden.
Wie lässt sich die Integrität digitaler Beweismittel untersuchen?
Bei Fällen, in denen der Verdacht der Manipulation mithilfe künstlicher Intelligenz besteht, ist die Integrität der digitalen Beweismittel einer der wichtigsten Aspekte.
Bei der Prüfung digitaler Materialien so weit wie möglich;
- Das Originalgerät muss aufbewahrt werden
- Es sollte eine digitale forensische Kopie des Geräts angefertigt werden
- Die Originaldaten sollten nicht direkt verarbeitet werden
- Die Hashwerte der Originaldatei und der Prüfkopie müssen ermittelt werden
- Die Personen, die die Beweismittel entgegennehmen und prüfen, sollten protokolliert werden
- Die Erstellungs- und Änderungsdaten der Datei sollten überprüft werden
- Metadaten und Systemprotokolle müssen erhalten bleiben
- Das Untersuchungsprogramm und die angewandte Methode sollten erläutert werden
- Jede getroffene Maßnahme muss gemeldet werden.
Bei Entscheidungen des Verfassungsgerichts zu digitalen Materialien ist es wichtig, ein Abbild des Materials zu erstellen, den Untersuchungsprozess zu dokumentieren und digitale Daten nachvollziehbar zu sichern. Die technische Untersuchung von Audiodateien, um festzustellen, ob Löschungen, Hinzufügungen, Änderungen oder Manipulationen vorgenommen wurden, ist ebenfalls entscheidend für die Beweiskraft.
In den meisten Fällen reicht ein WhatsApp-Screenshot, eine übertragene Kopie einer Audiodatei oder ein aus sozialen Medien heruntergeladenes Video nicht aus. Wenn möglich, sollten auch das Gerät, auf dem sich die Inhalte befinden, die Kontoaktivitäten, die Nachrichtendatenbank, Sicherungskopien, Serverinformationen und der Kommunikationsverlauf untersucht werden.
Expertengutachten zu Vorwürfen der Manipulation durch künstliche Intelligenz
Wenn behauptet wird, dass eine Audio- oder Bilddatei mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt oder verändert wurde, reicht es möglicherweise nicht immer aus, die Datei einfach an einen allgemeinen IT-Experten zu senden.
Abhängig von der Art der Ermittlung;
- Digitale Forensik,
- Schallanalyse,
- Bildanalyse,
- Phonetik,
- Gesichtsvergleich
- Digitale Medienanalyse,
- Dokumentenprüfung
Es sollten Berichte von Experten auf ihren jeweiligen Gebieten eingeholt werden.
Eine einfache Schlussfolgerung wie „Es fand eine Manipulation statt“ oder „Es fand keine Manipulation statt“ sollte in einem Gutachten nicht als ausreichend gelten. Das Gutachten sollte Folgendes enthalten:
- Welches Material wurde untersucht?
- Ob die Originaldatei existiert,
- Was ist der Hashwert der Datei?
- Welche Programme und Methoden wurden verwendet?
- Ob die Datei Unterbrechungen, Zusammenführungen oder Neukodierungen enthält,
- Technische Befunde, die auf die Möglichkeit künstlicher Herstellung hinweisen,
- Die Einschränkungen der Überprüfung,
- Wenn keine endgültige Schlussfolgerung gezogen werden kann, was sind die Gründe dafür?
Das sollte erklärt werden.
Dem Angeklagten und seinem Verteidiger muss die Möglichkeit gegeben werden, nicht nur gegen die Schlussfolgerung des Sachverständigengutachtens, sondern auch gegen die im Rahmen der Ermittlungen verwendeten Daten und technischen Methoden wirksam Einspruch zu erheben. Andernfalls könnten die Grundsätze des kontradiktorischen Verfahrens und der Waffengleichheit beeinträchtigt werden.
Strafrechtliche Verantwortlichkeit für die Fälschung von Beweismitteln mithilfe künstlicher Intelligenz
Obwohl das türkische Strafgesetzbuch die „Herstellung falscher Beweismittel mit Hilfe künstlicher Intelligenz“ nicht als eigenständiges und allgemeines Verbrechen definiert, können je nach den Merkmalen der Handlung unterschiedliche Straftatbestände entstehen.
Verleumdungsdelikt
Die Erzeugung von Audio-, Video- oder Dokumentenmaterial mithilfe künstlicher Intelligenz, um eine Person fälschlicherweise als Täter einer Handlung darzustellen, von der sie weiß, dass sie sie nicht begangen hat, mit dem Ziel, eine Untersuchung einzuleiten oder Sanktionen zu verhängen, kann als Verleumdungsdelikt im Sinne von Artikel 267 des türkischen Strafgesetzbuches angesehen werden.
Die Verleumdung durch Fälschung von Beweismitteln kann zu schwerwiegenderen Strafen führen. Daher ist die Erstellung einer gefälschten Video- oder Audioaufnahme mit dem Ziel, jemanden eines Verbrechens zu bezichtigen, nicht nur ein Verstoß gegen die Ethik, sondern auch eine Handlung, die direkt strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann.
eine Straftat erfinden
Wer den Behörden eine bekannte Straftat meldet, als ob sie begangen worden wäre, oder wer Beweise und Hinweise auf eine Straftat erfindet, die nicht stattgefunden hat, und zwar so, dass dies eine Untersuchung auslösen würde, kann als Vortäuschung einer Straftat im Sinne von Artikel 271 des türkischen Strafgesetzbuches angesehen werden.
Richtet sich die Anschuldigung gegen eine bestimmte Person, können die Bestimmungen über Verleumdung Anwendung finden; wird jedoch ein Verbrechen, das tatsächlich nicht stattgefunden hat, so dargestellt, als ob es stattgefunden hätte, ohne dabei eine bestimmte Person ins Visier zu nehmen, können die Bestimmungen über die Vortäuschung einer Straftat Anwendung finden.
Die Vernichtung, das Verbergen oder die Veränderung von Beweismitteln, die ein Verbrechen darstellen
Die Veränderung von realen Tönen, Bildern oder digitalen Daten mithilfe künstlicher Intelligenz, und zwar in der Absicht, die Aufdeckung der Wahrheit zu verhindern, kann je nach den spezifischen Umständen des Falles als unter Artikel 281 des türkischen Strafgesetzbuches fallend angesehen werden, der das Verbrechen der Vernichtung, Verheimlichung oder Veränderung von Beweismitteln betrifft.
Beispielsweise können auch die Entfernung einer Person aus dem Videomaterial in einer Weise, die den Täter begünstigt, die Veränderung bestimmter Teile eines Gesprächs oder das Hinzufügen von Aufnahmen, die eine andere Darstellung des Ereignisses liefern, in diesem Rahmen untersucht werden.
Dokumentenfälschung
Wird künstliche Intelligenz zur Erstellung gefälschter Verträge, Quittungen, Protokolle, medizinischer Berichte, Kontoauszüge oder amtlicher Dokumente eingesetzt, können je nach Art des Dokuments Straftaten der Urkundenfälschung oder der Urkundenfälschung vorliegen.
Artikel 207 des türkischen Strafgesetzbuches stellt die Herstellung gefälschter privater Urkunden, die arglistige Veränderung echter privater Urkunden und die Verwendung solcher gefälschter Urkunden unter Strafe.
Allerdings gilt nicht jedes KI-generierte Bild automatisch als „Dokument“. Damit der Straftatbestand der Urkundenfälschung vorliegt, muss der Inhalt rechtlich als Dokument gelten und das Potenzial haben, zu täuschen.
Wie sollte die Verteidigung Einspruch erheben?
Wenn Beweismittel gegen einen Angeklagten vorgelegt werden, von denen man annimmt, dass sie mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt oder verändert wurden, sollte ein bloßer allgemeiner Einwand wie „Diese Aufnahme ist gefälscht“ nicht ausreichen.
Die Verteidigung führte im Einzelnen aus:
- Wir bitten darum, die Originalbeweismittel vorzulegen
- Untersuchung des Geräts, das den Inhalt enthält,
- Die Übermittlung forensischer Kopien und Hashwerte an die Datei,
- Es sollte erklärt werden, wer die Beweise erlangt hat und wann
- Überprüfung der Metadateninformationen
- Wir bitten um die Herausgabe von Kommunikations- und Serverprotokollen
- Hinzufügen, Löschen und Zusammenführen von Rezensionen bei Audio- oder Videodateien,
- Einen Experten für künstliche Intelligenz oder Deepfake-Analyse beauftragen,
- Der Verteidigung sollten die Rohdaten zur Verfügung gestellt werden, die die Grundlage für die Sachverständigenuntersuchung bilden
- Zeit für die Einreichung unabhängiger Expertenmeinungen einräumen,
- Untersuchung, ob der Inhalt durch andere materielle Beweismittel bestätigt wird
sollte fordern.
Es sollte argumentiert werden, dass Beweismittel nicht als Grundlage für eine Verurteilung verwendet werden können, wenn die Quelle der Beweismittel nicht erklärt werden kann, die Originaldatei fehlt, nur ein Screenshot vorgelegt wird, der Untersuchungsprozess nicht aufgezeichnet wird oder das Gutachten des Sachverständigen nicht verifiziert werden kann.
Abschluss
Beweismittel im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz sind im türkischen Strafverfahren weder grundsätzlich verboten noch grundsätzlich als gültig anerkannt. Jedes Beweismittel muss anhand der spezifischen Merkmale des jeweiligen Falles bewertet werden.
Der grundlegende Unterschied ist jedoch klar:
- Künstliche Inhalte, die vollständig von KI generiert werden, können von sich aus nicht beweisen, dass das dargestellte Ereignis tatsächlich stattgefunden hat.
- Bei der Verarbeitung realer Beweismittel durch künstliche Intelligenz bleiben die Originaldaten die primären Beweismittel.
- Ein KI-Ergebnis allein kann nicht als Expertenbericht angesehen werden.
- Inhalte, deren Quelle nicht verifiziert werden kann und die technisch nicht überprüfbar sind, sollten nicht als alleiniger oder endgültiger Beweis für eine Verurteilung verwendet werden.
- Wurde künstlich erzeugter Inhalt bei der Begehung einer anderen Straftat verwendet, kann dieser Inhalt selbst ein Beweismittel für diese Straftat darstellen.
- Die Herstellung falscher Beweismittel oder die Veränderung echter Beweismittel kann zu Straftaten wie Verleumdung, Beweisfälschung, Beweismittelmanipulation und Urkundenfälschung führen.
In Strafverfahren kommt es nicht darauf an, wie realistisch der Inhalt wirkt, sondern ob seine Authentizität wissenschaftlich und rechtlich überprüfbar ist. Im Zeitalter der künstlichen Intelligenz müssen Gerichte nicht nur das Gesehene oder Gehörte berücksichtigen, sondern auch dessen Quelle, den Entstehungsprozess, die technische Integrität und die Übereinstimmung mit anderen Beweismitteln.
Andernfalls könnte eine technologisch gelungene Fälschung die materielle Wahrheit ersetzen. Dies würde die Unschuldsvermutung, das Recht auf Verteidigung und die Glaubwürdigkeit der Strafjustiz ernsthaft untergraben.